Umweltakademie Freiburg
 
Wir über uns
Aktuell
Tagungsorganisation
Bisherige Veranstaltungen

Zusatzqualifikation
„Kontrolliertes Brennen in der Landschaftspflege”

Veröffentlicht in VUBD-Rundbrief Nr. 29 Herbst 2004, ISSN 1432-766

Markus MAYER und Yvonne EDER

Einleitung

Teile der deutschen Kulturlandschaft waren geprägt durch den regelmäßigen und flächigen Einsatz von Feuer als Bestandteil ehemaliger Wirtschaftsweisen. So wurde z. B. im Schwarzwald das Feuer im Rahmen der Reutbergwirtschaft eingesetzt, um das Areal von Gehölzen und Besenginster zu befreien (PAGE 2002:65).Rosenbusch
In den Heideflächen Norddeutschlands verhinderte das Feuer den Aufwuchs von Gehölzen und verjüngte die Heidevegetation (MÜLLER 1997:87).
Das „Flämmen” war bis in die 70er Jahre eine weit verbreitete Methode   zur Behandlung von Ackerrainen und Böschungen. In der Regel wurde mit einem heftigen, heißen Feuer die trockene Streudecke aus dem Vorjahr großflächig abgebrannt (SCHREIBER 1997:59).
Großflächige, unsachgemäße Feuer, die den qualvollen Tod von Tieren zur Folge hatten und das zusätzliche Verbrennen von Müll waren wesentliche Gründe für ein Verbot des offenen Feuers durch die Naturschutzgesetzgebung. Eine Ausnahmegenehmigung kann lediglich zum Zwecke der Forschung, zur Vermeidung erheblicher land- und forstwirtschaftlicher Schäden und zum Schutz der einheimischen Tier und Pflanzenwelt erteilt werden.(1)


Feuer als Landschaftspflegeinstrument

Die Diskussion um den Einsatz des Feuers in der Landschaftspflege speist sich aus mehreren Gründen. Zum Wunsch nach Wiederbelebung historischer Landbewirtschaftungsweisen oder gewünschter Effekte für den Schutz und die Erhaltung bestimmter Arten und Biozoenosen gesellt sich ein gewichtiges Kostenargument, da viele Methoden der Landschaftspflege teuerer und personalintensiver als das Kontrollierte Brennen sind.

Die vielfältigen Untersuchungen und Experimente, die in den letzten drei Jahrzehnten durchgeführt wurden, haben die Grenzen und Möglichkeiten des Einsatzes des Instrumentes Feuer aufgezeigt.

Für die verantwortungsvollen Wiedereinführung des Instrumentes Feuer in der Landschaftspflege ist eine Strategie zu entwerfen. Hier sind eine Verbotslockerung und eine veränderte Handlungsweise gleichzeitig zu kommunizieren. Es muss unbedingt verhindert werden, dass unsachgemäße Brennpraktiken wieder aufgenommen werden. Wesentliche Elemente dieser Strategie sind:

  • Information der Öffentlichkeit
  • die Planung und Kontrolle der Feueranwendungen
  • die Qualifikation der Anwender

Nicht nur der einzelne Feuereinsatz bedarf der Planung und Kontrolle. Die Forschungsergebnisse müssen im Sinne eines Rahmenplanes systematisiert werden, um die Anwendungsmöglichkeiten des Kontrollierten Brennens naturraumbezogen für die einzelnen Biotoptypen aufzuzeigen.

Des weiteren ist ein Qualifizierungssystem für die Anwender zu etablieren. SCHREIBER (1997:70) äußert sich dazu sehr eindrücklich:

„Die Technik des Kontrollierten Brennens kann verantwortungsvoll nur durch Übung weitergegeben werden, die Kenntnis der Theorie allein genügt nicht. Wenn das Kontrollierte Brennen - nicht das Flämmen ! - als Landschaftspflegemaßnahme eingesetzt werden soll, ist dies nur durch ausgebildetes Personal sinnvoll. Naturschutz und Landschaftspflege sind deshalb gut beraten, wenn sie, wie für die Ausbildung als Baumwart o.ä. das Absolvieren eines Lehrgangs und das Ablegen einer Prüfung in Kontrolliertem Brennen verlangen, ehe die Betreffenden den Feuereinsatz in dem gewünschten Umfang und den vorgegebenen Rahmenbedingungen praktizieren dürfen.”

In Deutschland existiert zur Zeit keine Ausbildung für kontrolliertes Brennen. In den USA hingegen ist das Kontrollierte Brennen ein etabliertes Instrument in der Forstwirtschaft und Landschaftspflege. Es liegt daher nahe, das Ausbildungssystem in den USA im Hinblick auf Ideen für die Implementierung eines deutschen Ausbildungssystems zu skizzieren.


Skizze des Qualifikationssystems für den kontrollierten Feuereinsatz in den USA

1 Kontrolliertes Brennen - Prescribed Burning

WeinbergGenerell kann zwischen zwei Feuertypen unterschieden werden. „Wildfires” sind Feuer, die auf natürliche Weise oder durch den Menschen verursacht wurden. Sie nehmen oft gewaltige Ausmaße an und können beträchtlichen Schaden an Ökosystemen und Infrastruktur anrichten.
Kontrollierte Feuer dagegen werden, wie der Name schon sagt, geplant und unter den geeigneten Rahmenbedingungen in einem abgegrenzten Gebiet gelegt um bestimmte Ziele zu erreichen:

„Prescribed Burning is defined as the controlled application of fire to wildland fuels in either a natural or modified state. It is conducted under specific environmental conditions, which allow the fire to be confined to a predetermined area and at the same time produce the intensity required to attain planned resource management objectives.” (ODNR, 2003)

Besonders im Süden der USA sind viele Ökosysteme an periodisch auftretende Feuer angepasst und benötigen diese sogar für ihren Fortbestand. Kontrollierte Feuer werden unter anderem eingesetzt für:

  • Habitatmanagement
  • Waldbau: Flächenvorbereitung zur Pflanzung, Regulation der Konkurrenzvegetation
  • Prävention von Waldkrankheiten
  • Verhinderung von Streuakkumulation
    (USDA, 1989)

2 Rechtliche Einbindung des kontrollierten Feuereinsatzes

In der Gesetzgebung verschiedener Staaten finden sich Gesetze, die sich explizit mit der Praxis des Kontrollierten Brennens beschäftigen.(2) Staaten wie Louisiana, Mississippi und Alabama deklarieren, dass Kontrolliertes Brennen unter anderem zur öffentlichen Sicherheit beiträgt und sich positiv auf die Umwelt und Wirtschaft des Staates auswirkt:

„...prescribed burning is a resource protection and land management tool which benefits the safety of the public, Georgia's forest resources, the environment, and the economy of the state.”

In Maryland legt der Gesetzgeber fest, dass Initiativen geschaffen werden sollen zur Förderung der Anwendung dieser Technik:

„States that it is the intention of the General Assembly to provide incentives to eligible landowners to apply practices that provide for timber stand improvement including thinning, prescribed burning, and other silvicultural treatments.”

3 Das amerikanische Ausbildungssystem

Eine Person, die Erfahrung mit der Waldbrandbekämpfung hat, ist nicht automatisch qualifiziert, um kontrollierte Brände zu legen. Die Technik des kontrollierten Brennens ist sehr anspruchsvoll und komplex und beinhaltet ein hohes Maß an Verantwortung. Die USA verfügen über ein sehr gut entwickeltes Ausbildungssystem im Bereich Kontrolliertes Brennens, welches im folgenden detailliert vorgestellt werden soll.

3.1 Die Rolle der National Wildfire Coordinating Group

Die Aufgabe der National Wildfire Coordinating Group (3) ist es, Programme der beteiligten Feuermanagementinstitutionen zu koordinieren. Die NWCG hat einen für die USA einheitlichen Standard für die Qualifikation und Ausbildung der Personen, die mit kontrollierten Brenneinsätzen arbeiten definiert, sowie ein Kurssystem entwickelt.

3.2 Die Ausbildungszentren

An diesem Standard orientieren sich die Ausbildungszentren in den einzelnen Staaten und modifizieren ihn bei Bedarf. Kurse werden unter anderem vom National Interagency Fire Training Center (PFTC), der Southwest Fires Use Training Academy (FUTA) oder dem National Advanced Rescource Technology Center (NARCT) angeboten.

3.3 Das amerikanische Kurssystem

  • Für jeden Kurs bestehen Eingangsvoraussetzungen - in der Regel Praxiserfahrung, Absolvierung bestimmter Kurse, Ableistung einer Mindestanzahl an Brenneinsätzen, Computerkenntnisse, Bearbeitung der Kursunterlagen etc. (PFTC, 2003).
  • Die Kurse bauen aufeinander auf -   die erfolgreiche Absolvierung bestimmter Kurse ist notwendig, um weitere Kurse belegen zu können.
  • Es werden allgemeine Grundlagenkurse sowie Zusatzkurse angeboten.
  • Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt darin, den Teilnehmern Erfahrung mit kontrollierten Bränden zu vermitteln. So werden neben theoretischen Vorlesungen Brennpläne erarbeitet, die dann von den Teilnehmern ausgeführt werden (TNC, 2003).
  • Die Kurse sind in der Regel mehrtägig und werden mit einem schriftlichen Examen abgeschlossen.

3.3.1 Die Grundausbildung im Feuermanagement -   Auszug aus dem Kursangebot

FeuerlegenFeuerverhalten (Fire Behaviour) - wird in einigen Staaten als Grundwissen gefordert. Kursunterlagen müssen im Selbststudium durchgearbeitet werden.

Berechnung des Feuerverhaltens (Fire Behavior Calculations)

Einführung in die Auswirkungen von Feuer (Introduction to Fire Effects) - es handelt sich um einen 4-tägigen Feuergrundlagenkurs für Personen, die mit Bränden Erfahrung haben und sich weiter qualifizieren möchten. Außer der Erfahrung mit Bränden sollten sie über ein ökologisches Allgemeinwissen verfügen (PFTC,2003).

Auswirkungen von Feuer für Fortgeschrittene (Applied Fire Effects) - behandelte Themen sind unter anderem   Planung und   Evaluierung von komplexen Bränden, wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen von Feuer in Bezug auf kurz- und langfristige Managementziele (NARTC, 2003).

Fire ignition specialist: Absolvierung dieses Kurses ist Voraussetzung, um am NWCG- Kurs Prescribed Fire Burn Boss teilzunehmen (PFTC, 2003).

3.3.2 Zusatzausbildung

Es werden folgende Zusatzausbildungen angeboten:

  • Rauchminimierungstechniken (Smoke management techniques)
  • Leadership and organizational development
  • Air quality and fire management planners
  • Fire behavior analyst (PFTC, 2003)

3.3.3 Die Ausbildung zum Prescribed Fire Burn Boss

Eine Person, die in verantwortlicher Position einen kontrollierten Brand planen und durchführen kann, trägt den Titel „Prescribed Fire Burn Boss”. Durch die absolvierte Ausbildung sowie ein hohes Maß an Erfahrung mit kontrollierten Bränden soll er/sie in der Lage sein zu garantieren, dass der Brand innerhalb der gelegten Grenzen bleibt, die Rauchbildung minimiert wird und die vorher definierten Landschaftspflegeziele erreicht werden (NCST, 2003).

Um diesen Titel zu erlangen, müssen die Anwärter mehrere Kurse absolvieren, über jahrelange Brennerfahrung verfügen und  mindestens 5 Kurse in verantwortlicher Position geleitet haben (TDA, 2003).
Einige Staaten verlangen zusätzlich, dass   Personen die als „Prescribed Fire Burn Boss” arbeiten, sich zertifizieren lassen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Personen über ein einheitliches Ausbildungsniveau sowie über ausreichende Praxiserfahrung verfügen und sich mit den rechtlichen und ökologischen Gegebenheiten des jeweiligen Staates auskennen (AFC, 2003).

Einige Staaten machen die Anwesenheit eines zertifizierten Einsatzleiters zur Voraussetzung, damit ein kontrollierter Brand überhaupt durchgeführt werden darf .(4)

Die Inhalte der Ausbildung zum Prescribed Burn Boss in den Bundesstaaten gleichen sich im Allgemeinen und umfassen folgende Themen:

  • Gesetze, Regelungen und Vorschriften, die kontrolliertes Brennen im jeweiligen Staat betreffen
  • Feuerökologie
  • Planungsprozess des kontrollierten Brennens
  • Anzündmethoden, Feuertechnik
  • Rauchmanagementtechniken
  • Contingeny Planning - Einschätzung und Planung der Folgen eines Feuereinsatzes
  • Sicherheit
  • Vorhersage des Feuerverhaltens
  • Entwicklung eines Plans für den kontrollierten Brenneinsatz

Der Kurs wird mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen (TNC, 2003).

Folgerungen für ein Qualifizierungssystem in der BRD

In den USA liegt der Schwerpunkt der Ausbildung auf der Feuertechnik. Dies ist im Hinblick auf das Ausmaß der zu brennenden Flächen und dem damit verbundenen Risiko verständlich.

In Deutschland sind viele der für kontrollierte Brände geeigneten Flächen   Sonderbiotope, Habitate seltener Tier- und Pflanzenarten oder in deren direkter Umgebung. Praktiker, die mit kontrollierten Bränden arbeiten, müssen Biotope und Arten eindeutig ansprechen können, um einen Brand planen und durchführen zu können. Für die Situation in Deutschland sind deshalb die Kenntnisse der Feuertechnik und der Ökologie gleichwertig anzusetzen.

Eine Orientierung am amerikanischen Ausbildungssystem erscheint jedoch durchaus sinnvoll. Die starke Stellung des Prescribed Fire Burn Boss als Planer und Einsatzleiter garantiert hohe fachliche Qualität und Verantwortung. Die Verfasser schlagen deshalb vor, einen Ausbildungsgang für die Zusatzqualifikation „Einsatzleiter Kontrolliertes Brennen” für Landschaftsökologen zu entwickeln.

Der „Einsatzleiter Kontrolliertes Brennen” beantragt im Auftrag Dritter unter Berücksichtigung des naturraumbezogenen Rahmenplanes eine Ausnahmegenehmigung zur Landschaftspflege mittels Kontrolliertem Brennen. Nach Erteilen der Genehmigung plant er den Einsatz und leitet ihn. Es wird eine Dokumentation erstellt, die später eine Kontrolle der Effekte ermöglicht. Aufgrund seiner Qualifikation ist er kostengünstig für die Risiken dieses Arbeitsfeldes versichert.

 

(1) Naturschutzgesetz Baden-Württemberg § 41 Abs.1 Nr. 21; § 29 Abs. 2 Naturschutzgesetz

(2) Die nachstehenden Ausführungen basieren im Wesentlichen auf Informationen aus dem Internet. Online unter http://www.ncsl.org/programs/esnr/Preburnstat.htm. Eine Übersicht zur Rechtslage in Bezug auf Prescribed Burning wurde als Anlage beigefügt.

(3) Mitglieder sind der USDA Forest Service, Bureau of Land Management, National Park Service, Bureau of Indian Affairs, Fish and Wildlife Service and the State forestry agencies.

(4) Vgl. Anhang

 
Seitenanfang © 1999-2005 Umweltakademie FreiburgDipl.-Biol. Markus A. Mayer